Geldverteilung zur Tilgung privater Schulden – Steve Keen

Der australische Ökonom Steve Keen – einer der besten Kenner der globalen Schulden-Dynamik, machte am 24.11.2011 in einem BBC HardTalk Interview einen radikalen Vorschlag zur Lösung der globalen Finanzkrise.

Schulden sollen auf systemische und faire Art getilgt werden, um ‚lost decades‘ wie im Falle von Japan zu vermeiden. Dazu wird frisch gedrucktes Geld an Haushalte verteilt, das primär für die Tilgung von Schulden zu verwenden ist.

Das Transcript – falls Du parallel zum Video mitlesen möchtest –  findest Du hier. Zahlreiche Gedanken zu Keen’s Vorschlag finden sich unter anderem bei nakedcapitalism.

Wie Du vielleicht weißt, setze ich mich für die Diskussion von Spielarten der Option ‚Helicopter Drop of Money‘ ein. Ich bin der Auffassung, dass diese Option einen wichtigen Beitrag zur Überwindung der Krise leisten könnte, wobei deren Vor- und Nachteile wohl noch nicht ausreichend herausgearbeitet wurden.

Interessant ist jedenfalls, dass ‚Helicopter Drop of Money‘ gegen das erste moralische Empfinden vieler Menschen verstösst, ohne dass dies bisher zu überzeugenden ökonomischen Argumenten gegen die Option geführt hätte. Meist wird nur auf den ‚Moral Hazard‘ hingewiesen und dies reicht auch schon, um die Diskussion zu beenden.

Kommentare sind willkommen.

UPDATE 2011-12-06: Anmerkungen zur Diskussion von ‚Helicopter Money Drop‘ Optionen eingefügt.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Helicopter Drop of Money, Krise des Kapitalismus, Wirtschaftswachstum

2 Antworten zu “Geldverteilung zur Tilgung privater Schulden – Steve Keen

  1. Alfred Felsberger

    Hallo Gerold,

    Zuteilung von Notenbankgeld an die Schuldner anstatt an die Gläubiger – ich bezweifle sehr, dass dieser Vorschlag arbeiten würde, dass er die Schuldenkrise überwinden könnte. Die entscheidende Frage nämlich lautet:: Ist alles, was wir uns ausdenken und im Hirn zurechtbiegen, auch tatsächlich wirksam? Ist staatliche Politik eine machtvolle Kategorie des bürgerlichen Lebens? Ich denke: Nein.

    Und zwar nicht aus dem Grund, den Marx vermutete: Dass der bürgerliche Staat ein Ausschuss der herrschenden Klasse ist, dass das Interesse des Kapitals nur eine Art von Politik, nämlich Kapitalpolitik, zulässt. Und auch nicht aus dem verwandten Grunde: dass der Staat Funktionsträger ist und sein Handeln von vornherein der Kapitalakkumulation dient. Sondern eher: weil er die Macht, die er vorgibt zu haben, gar nicht besitzt.

    Was wäre die Konsequenz der vorgestellten Massnahme, des Abwerfens von Geld an die Schuldner? Mit Sicherheit ein Ansteigen der Inflation, weniger aus der einmaligen Massnahme heraus, sondern mehr aus der Erwartung, dass es bei dieser einzelnen Aktion nicht bleiben würde. Das Kapital würde sich aus der Kreditsphäre in die Assetsphäre verlagern, die Zinssätze und Assetpreise massiv nach oben gehen.

    Das Ganze erinnert an den Vorschlag nominaler Lohnerhöhungen, vorausgesetzt, dass die Schuldner Arbeitnehmer sind. Über die Erhöhung des nominalen Einkommens soll die Schuldenlast getilgt werden. Das Paradoxon, das hier zu Tage tritt, lautet: dass nominale Lohnerhöhungen noch lange nicht reale bedeuten. Was auch immer die Arbeitnehmer erkämpfen, es wird ihnen über die Inflation genommen.

    Schulden durch Geldpolitik wegradieren zu wollen, versperrt sich gegen die Erkenntnis: dass Werte Arbeitswerte sind. Das Geld als Arbeit gedacht, offenbart sofort, dass Schulden abrupt nur durch eine Maßnahme zu tilgen sind: durch Konkurs, durch die Bankrotterklärung des Schuldners und der Ausradierung der an ihn vorgeschossenen Arbeitszeit. Alles andere ist bloß ein Spiegelgefecht mit der Inflation.

    Alfred

  2. Alfred Felsberger

    Hallo Gerold,

    Für gewöhnlich argumentieren die Ökonomen, dass Inflation das Kapital trifft. Ich denke, das ist falsch und widerspricht auch allen historischen Erfahrungswerten. Die Löhne sind bei weitem nicht so flexibel wie die Preise, das heisst: das Lohneinkommen hinkt der Inflation hinterher. Kapital jedoch hat neben der Geldform die Sachwertform, das heisst: was es auf der einen Seite durch Inflation verliert, gewinnt es auf der anderen.

    Noch nie wurde eine Einkommensschere durch Inflation geschlossen, wenn, dann durch Deflation. In diesem Fall häufen sich die Konkurse aufseiten des Kapitals, während die Habenichtse ihre Arbeit verlieren. Diejenigen jedoch, die sie behalten, profitieren davon, dass die Löhne bei weitem nicht so schnell fallen wie die Preise. Conclusio:: Das Kapital verarmt, die Lohnarbeiter bleiben was sie immer waren: arm.

    Alfred

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