Liquiditätsfalle? Ach woher: Rentabilitätsfalle!

Ja: es wird gehortet. Die Banken tun es, die Privaten und auch die Unternehmen. Wo immer man hinblickt, es staut sich das Geld. Alle sind liquide, alle sitzen sie auf Geld anstatt es in Sachgütern oder Wertpapieren zu investieren. Alle warten auf bessere Zeiten, alle hoffen sie, dass eines Tage die Sonne wieder aufgeht.

Die Sonne? Ja, das ist die Rendite, die Profitrate der Investition, die Grenzproduktivität des Kapitals. Welcher Begriff gefällt am besten, welcher lässt das Herz am höchsten schlagen? Ich wage zu sagen: es ist der Begriff der Rendite, sicher nicht jener der Profitrate und schon gar nicht jener der Grenzproduktivität.

Die erste Entscheidung ist gefallen: Die Wortwahl. Na klar, wird man sagen, es ist die Sympathie, die entscheidet und Rendite ist nun mal der eleganteste Begriff. Doch nicht nur das. Er ist auch der Realität am nächsten, in ihm spiegelt sich die Wirklichkeit: Die Rendite ist dem Zins um vieles näher als der Investition.

Spricht man von Investition, dann meint man Rentabilität, Profitabilität, also Profitrate, spricht man aber von Geld- oder Finanzanlage, dann meint man Rendite. Ja, die Welt hat sich verändert. Vorbei die Zeiten, wo die Investition nach Profitabilität schrie, jetzt ist es die Geldanlage, die nach Rendite lechzt.

Die Geldanlage hat der Investition den Platz an der Sonne streitig gemacht. Sie ist es, die die Herzen aller höher schlagen lässt, während die Investition zu einer Geheimaktion eines kleinen Zirkels verkommt. Geldanlegen kann jeder, aber in Sachgüter investieren? Das erfordert doch viel zu viel Wissen und Arbeit.

Ja, die Märkte sind zu. Wer will schon ein Gärtner sein, wo doch der Markt mit Blumen aus aller Welt überschwemmt ist? Wer wagt es einem alles beherrschenden Konzern die Stirn zu bieten? Niemand. Und so sind alle auf der Suche nach der Geldanlage, während die Investition zunehmend als Fremdwort erscheint.

Das hat mit Allokation nichts zu tun. Wie kindlich sich doch jene Ökonomen gebärden, die hier eine Optimierung auf der Grundlage von Zinssatz und Profitrate sehen. Jeder weiss, dass der Zinssatz minimal ist und die Profitrate, sagen wir, von Siemens, hoch. Doch investiere ich deshalb wie Siemens? Natürlich nicht.

Große und immer größer werdende Teile des Kapitals werden in die Geldanlage abgedrängt, während der Zirkel der Investoren sich immer mehr verengt. War es früher die notwendige Kapitalgrösse, die Investitionen verhinderte, so ist es heute: Das Wissen, die Ressourcen, die Größe, das weltweite Netz.

Wen wundert, dass die Welt zu einer Anlagewelt verkommt? Wer will den Banken und Versicherungen einen Vorwurf daraus machen? Wer unschuldig ist, werfe den ersten Stein! Verrückt all die Stimmen, die das die Investition monopolisierende Kapital als „gut“ bezeichnen und das nach Anlage strebende als „schlecht“.

Was ist „gut“ an einem produzierenden Konzern, der mit all seiner Macht verhindert, dass andere in seine Geschäftsfelder eindringen? Was „schlecht“ an einer Bank, die diese Stärke nicht hat und bloss Gelder verwaltet? Kein „Gut“ und „Schlecht“ weit und breit, bloss eine Wirklichkeit, die zu respektieren ist.

Und diese Wirklichkeit schreit uns ins Gesicht: Die Investition ist tot, es lebe die Geldanlage! Der Heldenmythos des Kapitals ist gestorben: es legt sich lieber brach, sich selbst auf’s Eis, anstatt zu investieren.

Kein Aufbruchsgeist mehr, keine Weltumseglung, sondern Anlage und Hauspatschen.

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Eingeordnet unter Arbeitseinkommen und Profit, Krise des Kapitalismus, Profitrate, Rendite, Zinssatz

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