Roboter statt Arbeitnehmer (1): Rückgang der US Arbeitseinkommensquote trotz Reshoring

Überraschenderweise wurde das alte Thema der möglichen Vernichtung von Arbeitsplätzen durch technologischen Fortschritt gerade durch Paul Krugman im Dezember aus der Mottenkiste geholt und ins Bewusstsein von Berufs- und Amateur-Ökonomen gehoben.

Paul Krugman

Paul Krugman

Unmittelbarer Anlass war ein Artikel von Catherine Rampell, der mögliche Gründe für gelegentlich auftretende Rückverlagerungen von Produktions-Arbeitsplätzen in die USA (‚re-shoring‘) anführt:

  • günstige Energiekosten in den USA
  • kürzere Wertschöpfungsketten
  • bessere Qualitätskontrolle
  • bessere Sicherstellung von geistigem Eigentum
  • stark steigende Reallöhne in China (2010 mehr als dreimal so hoch wie 2000) bei gleichzeitiger Reallohn-Stagnation in ‚entwickelten Staaten‘

Die steigenden Löhne bieten nach Rampell einen großen Anreiz zu weiterer Automatisierung, was wiederum die Rückverlagerung von (wenigen) Arbeitsplätzen in die USA wirtschaftlicher macht:

„The most valuable part of each computer, a motherboard loaded with microprocessors and memory, is already largely made with robots …
As more robots are built, largely by other robots, „assembly can be done here as well as anywhere else,“ said Rob Enderle, an analyst based in San Jose, Calif., who has been following the computer electronics industry for a quarter-century. „That will replace most of the workers, though you will need a few people to manage the robots.“ „

In seinem ersten aktuellen Beitrag zu diesem Thema am 8.12.2012 – Rise of the Robots – stellt Krugman einen Zusammenhang zur fallenden Arbeitseinkommensquote in den USA her:

„What has happened, on the other hand, is a notable shift in income away from labor.“

USA: Arbeitseinkommensquote 1970-2010

USA: Arbeitseinkommensquote 1970-2010
Quelle: Paul Krugman Blog

Eine vergleichbare Entwicklung fand auch in den Staaten der Eurozone statt (siehe dazu unseren Beitrag hier ):

Eurozone-Staaten: Arbeitseinkommensquote 1980-2013

Eurozone-Staaten: Arbeitseinkommensquote 1980-2013
Quelle: economy at risk

Krugman schließt mit unüblicher Selbstkritik nebst Anspielung auf Karl Marx:

„I think our eyes have been averted from the capital/labor dimension of inequality, for several reasons. It didn’t seem crucial back in the 1990s, and not enough people (me included!) have looked up to notice that things have changed. It has echoes of old-fashioned Marxism — which shouldn’t be a reason to ignore facts, but too often is. And it has really uncomfortable implications.

But I think we’d better start paying attention to those implications.“

Wir werden die Diskussion dieses interessanten Themas in einigen Folgebeiträgen vertiefen.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Arbeitseinkommen, Arbeitsmarkt, Income Inequality, Technologische Arbeitslosigkeit

Eine Antwort zu “Roboter statt Arbeitnehmer (1): Rückgang der US Arbeitseinkommensquote trotz Reshoring

  1. Alfred Fels

    Solange die Zahl der Lohnabhängigen weltweit neue Höchststände erreicht, – von 6,9 Milliarden Weltbevölkerung sind mittlerweile 2 Milliarden Lohnabhängige – wird man schwer von einer Substitution „Arbeit durch Kapital“ sprechen können. Eher müsste man sagen, dass die Zahl der Lohnabhängigen gemessen an der Zahl der Weltbevölkerung zu langsam wächst, dass sich also der Pool, aus dem Lohnarbeit sich rekrutiert, schneller ausdehnt als die Zahl der Lohnabhängigen selbst.

    Das Ergebnis sind weltweit steigende Arbeitslosenquoten. Ebenso müsste man die sinkenden Lohnquoten, die nun schon seit zwei Jahrzehnten zu beobachten sind, weniger auf die Subsititutionstendenzen des Kapitals als auf die schleichende Entqualifizierung der Lohnarbeit zurückführen, bedingt einerseits durch technologische Entwicklungen (Computerisierung, Standardisierung, etc.), andererseits durch eine Verschlechterung der Arbeitsverträge (Leiharbeit, Deregulierung, etc.).

    Die Qualen, die am Arbeitsmarkt zu beobachten sind, ob Dequalifizierung, Ansteigen der Arbeitslosigkeit oder Sinken der Reallöhne, sind das Ergebnis einer steigenden Konkurrenzintensität. Eine wachsende Weltbevölkerung gepaart mit der zunehmenden Integration ursprünglich in Subsistenz eingeschlossener Arbeitskraft („Dritte Welt“) und der inneren Ausdehnung der Arbeitskraft in den entwickelten Ländern (Frauen, ehemals Selbständige) führt zu einem weltweiten Überschuss an Arbeitskraft.

    Letztendlich heisst Kapitalismus die „Herrschaft der toten Arbeit über die lebendige“ (K.Marx), anders gesagt: des Kapitals über die Menschen. Schon alleine aus diesem Grund ist eine Einkehr in eine Roboterwelt kaum zu befürchten. Es werden sich immer neue Quellen von Lohnarbeit erschliessen lassen, die ausbeutbar und verwertbar sind (z.B. Tourismus, mediales Erleben, etc.). Aber die Dequalifizierung der Lohnarbeit durch Technologie und Konkurrenz wird als „ehernes Gesetz“ diese Entwicklung begleiten.

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