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Krise des globalen Kapitalismus

Die Eurozone kommt nicht zur Ruhe. Soeben wurden Maßnahmen für die Sanierung der griechischen Staatsschulden, zur Beruhigung des Marktes für Eurozone-Staatsanleihen, und zur Kapitalausstattung für systemisch wichtige Eurozone-Banken beschlossen. Merkel und Sarkozy tagten nahezu in Permanenz, und die Details zur Hebelung des EFSF (European Financial Stability Facility) sind in Ausarbeitung.

Da stört plötzlich der griechische Ministerpräsident Papandreou mit seiner Ankündigung eines Referendums den Verhandlungs- und Entscheidungsprozess. Wird Griechenland über den Austritt aus der Eurozone abstimmen, oder nur über den mit den EU-Partnern ausgehandelten Vertrag? Was wären die Folgen eines griechischen Nein? Ist mit der Ansteckung (Contagion) weiterer Staaten zu rechnen? Sind Banken gefährdet? Und wie werden sich die Kreditzinsen für Italien, Spanien und andere Eurozone-Staaten entwickeln?

Wie kam es zu dieser bedrohlichen Situation für die historisch gesehen noch junge europäische Union?

Kurz gesagt, es liegt seit 2007 eine manifeste Krise des globalen Kapitalismus vor, die dazu führt, dass ein wesentlicher Teil der Haushalte, Unternehmen und Staaten ihre Schulden nicht mehr bezahlen können. In deren ‚balance sheets‘ häuften sich durch den kapitalistischen Wirtschaftsprozess Schulden an, die durch Vermögen nicht mehr gedeckt sind, oder die durch die zu erwartenden Einnahmen nicht mehr bedient werden können.

Die siamesischen Zwillinge der balance sheets der Verlierer sind die balance sheets der Gewinner im Pokerspiel des globalen Kapitalismus. Die Gewinner halten nunmehr – in Summe gesehen – die nicht mehr bedienbaren Forderungen an die Verlierer in ihren Händen.

Marriner Eccles, Vorsitzender der US Notenbank von 1934-1948 und selbst Kapitalist, sagte zu diesem Problem in einem Senatsauschuss im Februar 1933:

„It is utterly impossible, as this country has demonstrated again and again, for the rich to save as much as they have been trying to save, and save anything that is worth saving. They can save idle factories and useless railroad coaches; they can save empty office buildings and closed banks; they can save paper evidences of foreign loans; but as a class they can not save anything that is worth saving, above and beyond the amount that is made profitable by the increase of consumer buying.“

Wir befinden uns wieder in einer Situation, in der Gewinner nicht mehr Finanzvermögen anhäufen können, ohne Kreditnehmer in die Insolvenz zu treiben und einen wirtschaftlichen Zusammenbruch mit hoher Arbeitslosigkeit und Deflation zu riskieren. Gewinner bringen ihr Geld nicht ausreichend in Umlauf – sie wollen weiter Profite machen und ihr Finanzvermögen vermehren. Verlierer auch nicht  – sie haben keines mehr.

Willkommen in der ‚Economy at Risk‘.

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